Details
ISBN/EAN: 978-3-627-00356-2
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
27.08.2026
27.08.2026
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
416 S.
416 S.
Format (T/L/B):
3.1 x 21 x 13.5 cm
3.1 x 21 x 13.5 cm
Hersteller:
Frankfurter Verlagsanstalt GmbH
literatur@fva.de
Arndtstraße 11
DE 60325 Frankfurt am Main
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Arndtstraße 11
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Poppkultur
Wie wir aufhören, Sexfantasie zu sein, und anfangen, Sexfantasien zu haben
Beschreibung
Wie erobern wir uns unsere Sexfantasien zurück? Fantasie ist Macht, wenn wir sie verstehen. Und es gibt einen Weg, sie neu zu entdecken. 'Eine (S)Exkursion durch die Popkultur, die nicht nur großen Spaß macht, sondern auch eindrücklich zeigt, wie politisch Fantasie ist.' Mareike Fallwickl Ausgehend von eigenen Erfahrungen, der Verunsicherung einer jungen Frau im Prozess sexueller Selbstfindung, ihren Beobachtungen toxischer Männlichkeitsbilder und ihren eigenen Fantasien geht die Autorin und Schauspielerin Bianca Nawrath der Frage nach: Was sagt unsere Fantasie über uns aus, über unsere Zeit und über unsere Freiheit? Wenn alles schneller, lauter und digitaler wird und alte Machtverhältnisse fortbestehen - wie wirkt sich das auf unser Fühlen, Denken und Begehren aus? Und wann kippt Nähe in Entfremdung? Bianca Nawraths persönliche und gesellschaftliche Erkundung von Sexfantasien legt den Fokus auf die Rekonstruktion von Begehren und Fantasie entlang medialer, sprachlicher und emotionaler Prägungen. Sie untersucht die Poppkultur in der Popkultur - wie beispielsweise Filme, Werbung, Pornos, Songs und Comedy unsere Vorstellung von Sex prägen, warum es so schwer ist, offen über Fantasien zu sprechen, und wie Fantasie ein therapeutisches Werkzeug werden kann. Mit Interviews, Storytelling, Reflexionen und praktischen Impulsen soll die Lust enttabuisiert werden: Fantasie ist Macht, wenn wir sie verstehen. Und es gibt einen Weg, sie neu zu entdecken.
Leseprobe
Dieses Buch ist kein Aufklärungsratgeber oder feministisches Manifest. Es ist eher ein gemeinsamer Besuch im Kopfkino, ein offenes Tagebuch, ein Baukasten für die Arbeit mit der eigenen Fantasie. Es ist eine Einladung an euch (und an mich selbst), auf keinen Fall die Sofaecke der Fantasie glatt zu ziehen, damit bloß niemand mitbekommt, was wir wollen. Nun könnte der Eindruck entstehen, ich wolle generell mehr Sex in unsere Köpfe bringen. Oder besseren Sex. Aber ich will weder das eine noch das andere, ich will sogar eher weniger, vor allem weniger Bewertung. Deshalb spreche ich auch bewusst von Sexneutralität, weil Sexpositivität das Auslassen von Sex negativ konnotiert und ich eine Haltung beschreiben will, die Sex weder über- noch abwertet. Sex ist weder besonders gut noch besonders schlecht. Sex zu haben, ist eine Möglichkeit, deren Wert im Leben jede*r für sich selbst definieren muss. Außerdem ist mir wichtig zu betonen, dass ich keine Sexualtherapeutin bin und deshalb nur wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Erfahrungsberichte zusammentragen kann. Ich werde in diesem Buch weder fremde Fantasien deuten, noch werde ich erklären, wie 'richtige' Lust geht, denn es gibt keine falsche. Aber ich werde nach Fragen suchen, die wir uns stellen können, um uns dabei zu helfen, uns selbst besser kennenzulernen - ein Prozess, der niemals aufhört. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass Gedanken, dass Fantasien ihre Grenzen haben. 'Manifestation' ist so ein Trend-Wort in diesem Zusammenhang, an dem bestimmt etwas dran ist, aber eben nicht für alle. Benutzt wird der Begriff vor allem in Coaching-, Self-Help- und Social-Media-Kreisen, um Menschen dazu anzuregen, 'positive Glaubenssätze' zu haben und die richtige 'Energie' auszustrahlen, um den eigenen 'Purpose' zu entdecken und mithilfe von 'Self-Leadership' die eigenen Ziele zu erreichen. In der Praxis drohen Begriffe wie diese aber strukturelle Probleme zu individualisieren und Verantwortung vom Außen ins eigene 'Mindset' zu verlagern. 'Be your Higher Self' aka 'Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht' aka 'Vom Tellerwäscher zum Millionär' aka Bla bla bla. Bescheißt euch doch selbst mit Worten, die den Sweetspot zwischen kapitalistischem Selbstoptimierungs-Eso und Feelgood-Gaslighting hitten. Nicht jede Unsicherheit im Leben lässt sich mit positivem Denken bekämpfen oder anders: Wenn die Kacke wirklich am Dampfen ist, hilft es auch nicht, sie weg zu fantasieren. Trotzdem: Fantasien im Allgemeinen und Sexfantasien im Speziellen sind ein spannender Raum, weil wir uns durch sie selbst erforschen können, wir können Veränderung anstoßen, wir können Wünsche, Ängste und Machtverhältnisse gefahrlos ausprobieren oder einfach Spaß mit unserer Fantasie haben. Fantasien sind weniger dazu da, uns einzureden, alles sei gut, sondern um ehrlich mit dem zu sein, was fehlt, reizt oder Angst macht. Sie sind kein Werkzeug zur Selbstoptimierung, sondern ein Ort der Selbstbefragung. Wir können Wege finden, mit denen wir unsere Fantasie durch unser Selbstbewusstsein und unser Selbstbewusstsein durch unsere Fantasie stärken. Auch, wenn ich mich in diesem Buch auf FLINTA konzentriere, weil ich glaube, dass uns der Zugang zur Lust mehr aberzogen wird als cis-Männern, sind auch letztere eingeladen, ihre Sexfantasien neu zu erkunden. Denn auch Männer sind Opfer des Patriarchats. Sie gehen häufiger in den Krieg, sterben früher, weil sie mehr rauchen, mehr Alkohol trinken, mehr Fleisch essen, sie lernen, dass sie stark sein müssen und sind deshalb oft schlecht darin, offen über ihre Gefühle zu reden. Und einer von den sensiblen, guten Männern in einem Haufen Testo-Brüder wäre ich auch nicht gern. Oder wie die Körpertherapeutin und ehemalige Sexarbeiterin Ilan Stephani es in ihrem Buch Lieb und teuer - Was ich im Puff über das Leben gelernt habe ausdrückt: 'Ja, viele Frauen fühlen sich von männlicher Sexualität gedemütigt - aber den Männern geht es mit sich selbst ganz ähnlich. Wie suspekt der Mann dem Mann ist zeigt auch die Homophobie.' Ich wünsche mir, dass wir aufhören, uns an Bildern zu messen, die nie für uns gemacht wurden, und ich bin überzeugt davon, dass wir neue Worte brauchen, um unsere Lust zu beschreiben. Denn: Je bewusster wir Fantasie betrachten, desto freier können wir sie gestalten. Je mehr Lust am Gestalten wir haben, desto kraftvoller und lebendiger empfinden wir uns selbst. Beim sexuellen Denken, Träumen und Spielen, geht es nicht darum, anderen zu gefallen, sondern darum, sich selbst zu gehören.